Woher kommt die Bezeichnung Bürger

In der Antike

Im Römischen Reich (8. Jahrhundert vor Christus bis zum 7. Jahrhundert nach Christus), war dies eine Bezeichnung für die Einwohner Roms, womit auch besondere Rechte verbunden war. Sklaven und Frauen waren keine Bürger. Später wurden wesentliche Bestandteile dieser Rechte auf das gesamte Römische Reich ausgedehnt. Diese Rechte beinhalteten, das aktive und passive Wahlrecht der freien Männer in den Volksversammlungen. Es beinhaltete die Verpflichtung zum Kriegsdienst, erlaubte das Tragen der Toga sowie eine Reihe weiterer Privilegien. Auch Steuern mussten gezahlt werden.

Bürgerrechte wurden normalerweise durch Geburt (also als Sohn eines römischen Bürgers) oder durch Verleihung vergeben.

Im Mittelalter

Bürger waren im Mittelalter (6. Jahrhundert bis 15. Jahrhundert) die Einwohner von Städten. Diese hatten besondere Rechte, zum Beispiel die freie Wahl des Wohnsitzes. Leibeigene und Hörige waren keine Bürger, konnten aber durch Flucht in Städte, Bürger werden. Dazu mussten sie mindestens ein Jahr lang in einer Stadt leben, und dort ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten.

Heute

Wer in Harzgerode jemanden trifft, der sich selbst als Bürger bezeichnet, bekommt auf die Frage nach der Bedeutung, die sowohl salomonische wie wage Antwort, das sind wir alle. Weitere Erklärungen bekommt man nicht. Diese Redensart ist schon so eingefleischt, dass sie den wenigsten von ihrem Ursprung und der Bedeutung her bekannt ist, oder es wird halt vorrausgesetzt das man es weis. Zurück geht dies in Harzgerode auf die Zeit des Fürstentums.

1585 forderte Johann Georg Fürst von Anhalt, in Absprache mit seinen Söhnen, die Pastoren auf, die Bilder und Leuchter von den Altären zu entfernen, und zukünftig das calvinistische Glaubensbekenntnis ohne Orgelmusik zu predigen. Auch den Kindern in den Schulen sollte dies vermittelt werden. Damit wurde auch ein anderes Verständnis des Abendmahls gefeiert. Auch war das calvinistische Glaubensbekenntnis viel strenger als das lutherische. Pfarrer, welche damit nicht einverstanden waren, wurden verjagt, und durch andere ersetzt.

Nicht alle Gläubigen fanden dies so gut wie der Fürst. Das lutherische Glaubensbekenntnis gefiel einigen Leuten besser, und sie stimmten deshalb mit den Füßen ab. Sie gingen zum Gottesdienst, Abendmahl, Taufe und anderen religiösen Angelegenheiten in Nachbarorte. Damit trugen sie auch das Geld, welches der Pfarrer für Taufen, Hochzeiten usw. bekam dorthin.

Für Harzgerode ist belegt, dass einige Einwohner, welche der Kirche St. Marien zu zurechnen gewesen wären, nach Dankerode gingen. Dort wurde das lutherisch reformierte Glaubensbekenntnis gefeiert. Wohlgemerkt nur zur Ausübung ihres Glaubensbekenntnisses gingen sie dorthin. Dies führte dazu, dass der Pfarrer von St. Marien sich beim Amt Harzgerode darüber beschwerte. Das Amt Harzgerode forderte 1603 nun den Pfarrer von Dankerode auf, die Fremden wieder wegzuschicken und vor allem das Abendmahl nicht zu reichen.

Der Pfarrer, Michael Kirchberg wandte sich an seine Obrigkeit in Falkenstein und bat um Verhaltensanweisungen. Er erhielt zur Antwort: "die Harzgeröder Amtsleute möchten doch selber sehen, wie sie ihre Untertanen vom Gottesdienst in Dankerode abhalten. Er könne sie doch nicht vom Tisch des Herrn fernhalten." Dies versuchten die Harzgeröder Amtsleute denn wohl auch. Worauf einige der aufgeforderten Harzgeröder Gläubigen antworteten: "sie seien Bürger, und würden ihre Bürgerrechte wahrnehmen".

Damals fingen die Dankeröder an, die Anhaltiner als "calvinistische Spitzköpfe" zu bezeichnen. Nach den spitzen Kopfbedeckungen calvinistischer Pfarrer. An Güntersbergern ist die Bezeichnung "Spitzkopp" bis heute hängen geblieben.

Bürger sind wir alle. Sie, ich, der Bürgermeister und auch die Kanzlerin.

Nachzulesen in den Harzgeröder Heften und dem Heft 2 "Tausendjähriges Dankerode" - 992 bis 1992.

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